Kaffeekapseln

Kaffeekapsel

Geliebte Kaffeekapseln – Lifestyle und superpraktisch oder Geldverschwendung und umweltschädlich?

Nun haben wir es jahrelang George Clooney gleichgetan. Wir haben unseren Kaffeekonsum einer hübschen Maschine anvertraut, die sich, wenn man sie mit Kaffeekapseln füttert, um alles kümmert. Sie erstellt Kaffee, portionsweise, bestens temperiert, wenn gewünscht jede Tasse eine andere Art Kaffee (Crema, Espresso, stark, sanft, etc.) und die Milch schäumt sich auch fast wie von selbst.

Schon nach einer Weile schwante es mir, dass das irgendwie nicht richtig ist, aber da es ja so praktisch ist und mir überhaupt diese kleine Helfermaschine ans Herz gewachsen war, habe ich die kritische Stimme in mir erstmal erfolgreich ignoriert. Nun aber, 4 Jahre und zahlreiche Kapseln später, wurde sie mir nun doch zu laut, so dass ich mich mal auf die Suche nach ein paar Fakten und Alternativen gemacht habe.

Laut Deutschem Kaffeeverband haben wir im Jahr 2015 pro Kopf 162 Liter vom „Lieblingsgetränk der Deutschen“ konsumiert. Das wären bei einem „Kapselkaffeetrinker“ ca. 500-800 Kapseln. Der Absatz der Kaffeekapseln ist in 2015 um 16 % gestiegen.

Zwei Aspekte machen bei Kaffeekapseln direkt auf den ersten Blick stutzig (auch wenn wir alle sie erfolgreich auszublenden scheinen): Wieviel bezahlt man da eigentlich für ein bisschen Kaffee im Vergleich zu den herkömmlichen Kaffee-Zubereitungs-Arten und wieviel Abfall produzieren wir damit?

Was kosten uns Kaffekapseln?

Natürlich sind solche Kapseln pro 100 Gramm teurer, als herkömmlicher, loser Kaffee. Immerhin kaufen wir ja auch Lifestyle und super praktische und schnelle Zubereitung dazu. Aber wenn man die Kosten dann einmal nebeneinander stellt, ist der Unterschied doch größer als es angebracht erscheint. Verschwenden wir eine Menge Geld, für ein bisschen Bequemlichkeit?

Anbieter Preis pro Kapsel Gramm pro Kapsel Preis pro 100g
Nespresso 39 cent 5,0 g 7,80 EUR
Cafissimo Tchibo 27 cent 7,5 g 3,59 EUR
Tassimo Jacobs 31 cent 6,5 g 4,76 EUR
Lavazza 1,64 EUR

Nachdem ein wichtiges Patent auf die Nespressokapseln ausgelaufen ist, kommen immer mehr Produkte von anderen Anbietern auf den Markt, die in Nespresso Maschinen verwendet werden können und auch speziell dafür gekennzeichnet sind. Z.B. Capsa von Dalmayr und Bellaroom von Lidl.

Anbieter Preis pro Kapsel Gramm pro Kapsel Preis pro 100g
Dalmayr Capsa 30 cent 5,6 g 5,34 EUR
Lidl Bellaroom 18 cent 5,2 g 3,37 EUR
Lavazza 1,64 EUR

Aldi Süd hat mit Expressi ein ganz eigenes System auf den Markt gebracht. Die dazugehörigen Kapseln sind für das eigene System gedacht und nicht als günstigere Alternative für Fremdsysteme. Selbst der Slogan macht deutlich, welchem System hier Konkurrenz gemacht werden soll: „Expresssi of course!“ . Was eine klare Antwort auf „Nespressso – what else?“ sein dürfte.

Die oben aufgeführten Preise sind selbstverständlich eine Momentaufnahme. Sie können immer mal um ein paar Cent variieren, je nach Angeboten etc. Aber sie zeigen doch ein klares Bild und führen uns vor Augen, wie teuer wir Lifestyle und Bequemlichkeit bei einem Basisprodukt unseres täglichen Lebens bezahlen.

Wie sehr belasten wir mit Kaffeekapseln die Umwelt?

Das Thema der durch Kaffeekapseln verursachten Umweltbelastung wurde in letzter Zeit vielfach diskutiert und auch von den Herstellern aufgegriffen. „Nachhaltigkeit“ darf auf keiner Anbieter-Website mehr fehlen. Mehrere Anbieter haben durch eine freiwillige Lizensierung beim Grünen Punkt dafür gesorgt, dass ihre Kapseln mit Kaffeesatz in den gelben Sack können. Sie haben demnach dafür bezahlt, dass die Kapseln gesammelt, sortiert und wiederverwertet werden. Zu erkennen ist diese Lizensierung am grünen Punkt auf dem Produkt. Andere Kapseln gehören in den Restmüll.

Nespresso Kapseln werden aus Aluminium hergestellt. Ein Wertstoff, der gut und immer wieder recycelt werden kann – wenn er richtig entsorgt wird. Nespresso Boutiquen nehmen ausserdem leere Kapseln zurück.

Wer einen gelben Sack oder eine gelbe Tonne hat, kann die Kapseln sachgemäß dem Recycling zuführen. Niedrig könnte allerdings die Recyclingrate z.B. in der Großstadt bei Abwesenheit von gelben Säcken und Tonnen sein, wo jede einzelne Kapsel gesammelt und zum Container gebracht werden muss.

Egal ob grüner Punkt oder nicht, unbestritten bleibt, dass Kaffee Kapseln vermeidbaren Müll verursachen, da es Alternativen gibt, bei deren Einsatz kaum Abfall produziert wird (Kaffeefilter und Pads sind z.B. umweltfreundlicher, da sie einfach im Biomüll entsorgt werden können). Vom Energieaufwand, um die Kapseln herzustellen und zu recyclen, ganz zu schweigen.

Eine Alternative bieten da kompostierbare Kapseln, wie z.B. die Kapseln von la-Coppa. Sie sind biologisch abbaubar und können in der Bio-Tonne entsorgt werden. Der im Ökotest Jahrbuch 2015 erschienene Kaffeekapsel-Test zitiert allerdings BUND-Experte Dr. Rolf Buschmann, der dazu sagt: „Kompostierbare Kapseln werden in den Kompostieranlagen als Störfaktor aussortiert und landen im Restmüll.“ Ein bei Spiegel Online zitierter Experte, Gerhard Kotschik (Verpackungsexperte beim Umweltbundesamt) teilt eine ähnliche Ansicht: „Bei Konsumgütern stehen wir biologisch abbaubaren Kunststoffen kritisch gegenüber. Sie haben aus unserer Sicht in der Regel keine Vorteile.“

Zurück zu Altbewährtem oder gibt es Kompromisse?

Ein Kompromiss für diejenigen, die nicht auf die Einzelportionen-Maschinenherstellung ihres Kaffees verzichten wollen, ist die wiederverwendbare Kapsel. Hier gibt es zwei Varianten: die gekaufte nachfüllbare Kaffeekapsel oder die Verwendung einer gebrauchten Einwegkapsel als Mehrwegkapsel.

Im Internet sind die abenteuerlichsten Anleitungen zu finden, wie man aus bereits verwendeten Einwegkapseln selber wiederverwendbare Kaffeekapseln erstellen kann (z.B. für Tassimo oder Nespresso). Ich persönlich habe es mit den Cafissimo Kapseln versucht und es klappt wirklich sehr unkompliziert (besonders, weil unter der zu entfernenten Folie noch ein Sieb sitzt und die Kapsel nach Reinigung ohne weitere Manipulationen einfach wiederbefüllt wiederverwendet werden kann). Bei anderen Marken sieht es schon komplizierter aus.

Für Cafissimo gab es leider keine nachfüllbaren Kapseln zu kaufen. Für Nespresso gibt es mittlerweile allerdings eine Auswahl. Es gibt sie in Kunststoff (z.B. Coffeeduck, 3 Stück für ca. 11 Euro) oder aus Aluminium (z.B. MyCoffeestar, 1 Kapsel für ca. 40 Euro). Ökotest hat die Kapsel von MyCoffeestar mit „sehr gut“ bewertet (Jahrbuch 2015).

Man muss ein bisschen experimentieren welcher Espresso am besten passt (nicht zu grob, nicht zu fein), aber sobald man den perfekten Kaffee gefunden hat ist die nachfüllbare Kapsel eine super Alternative – da hier beide oben besprochenen Probleme gelöst werden: es wird günstiger und umweltfreundlicher!

Seitdem ich die Kapseln nachfülle fühlte sich das Kapseln-Trinken wieder besser an, warf aber weitere Fragen auf. Wenn man wieder anfängt Espresso Pulver aus einer Verpackung zu löffeln und in ein Behältnis zu portionieren, um daraufhin den Kaffee-Koch-Vorgang zu beginnen…. wie weit ist man dann noch von den herkömmlichen Zubereitungsarten entfernt? Daraufhin holte ich mal wieder meine alte Bodum-Kanne (für normalen Kaffee) und meinen Espressokocher für den Herd heraus und testete, wie das nochmal so ging. Und nach all den Jahren Kapsel-Maschinen-Kaffee-Kochen fragte ich mich, warum man eigentlich je damit aufgehört hatte den Kaffee „einfach so“ zu kochen.

Persönliches Fazit

Ich bin weiterhin Fan meiner Kapsel-Maschine, habe jedoch für meinen täglichen Kaffeekonsum von mehreren Tassen besonders aus ökologischen Gesichtspunkten beschlossen, dass Schluss sein muss mit Kapseln. Und nun dampft wieder regelmäßige der kleine silberne Espressso Kocher auf dem Herd.

Ist jedoch Besuch da und jeder trinkt verschiedene Sorten oder es soll einfach mal schneller gehen, dann kommt die Maschine wieder zum Einsatz. Mal mit neuen, mal mit wiederbefüllten Kapseln. Je nach Sorte und Vorrat.

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